Studie zum Substanzkonsum: Brandenburgs Jugendliche rauchen und trinken wieder mehr
- Erschienen am - PresemitteilungEin deutlich zunehmender Konsum vor allem von Vapes und E-Zigaretten unter Brandenburger Jugendlichen, ein leicht ansteigendes Niveau beim regelmäßigen Trinken von Alkohol sowie eine vielfach deutlich zu lange Nutzung von Smartphone, Tablet und Co.: Das sind die wichtigsten Ergebnisse der aktuellen Studie „Brandenburger Jugendliche und Substanzkonsum“ (BJS6), die das Gesundheitsministerium heute veröffentlicht hat. Für die Studie wurden landesweit rund 1.700 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen zu ihrem Konsum von Alkohol, Nikotin, Cannabis und weiterer Substanzen, zum Medienkonsum und ihren Erfahrungen mit Glücksspielen befragt. Die Befragung findet seit dem Schuljahr 2004/2005 alle vier Jahre, zuletzt 2020/2021. Gesundheitsminister René Wilke zeigte sich besorgt über die Entwicklungen.
So stieg der Anteil von Jugendlichen, die täglich Tabak rauchen, gegenüber 2021 leicht von 9,9 Prozent auf 11,2 Prozent. Bei E-Zigaretten, E-Shisha und sogenannten Vaporizern hat sich der Anstieg im gleichen Zeitraum sogar mehr als verzehnfacht – von 1,2 Prozent auf 13,1 Prozent. Rund 20 Prozent der Jugendlichen konsumieren solche Produkte mindestens wöchentlich, etwa jede bzw. jeder zweite hat sie wenigstens einmal probiert. Während mehr Jungen täglich Tabak konsumieren, greifen mehr Mädchen regelmäßig zu Vapes.
Gesundheitsminister René Wilke: „Die Ergebnisse der aktuellen Studie sind ein Warnsignal. Vor allem der zunehmende Konsum von E-Zigaretten und Vapes ist besorgniserregend, denn diese Produkte enthalten neben Nikotin auch sogenannte Liquids, also Flüssigkeiten, deren Inhaltsstoffe beim Rauchen verdampft werden und die das Herzkreislaufsystem und die Lunge schädigen können. Und über die langfristigen Folgen wissen wir noch viel zu wenig. Präventionsmaßnahmen sind hier wie auch beim Thema Alkoholkonsum unerlässlich, und dafür bildet die aktuelle Studie eine wichtige Grundlage. Allerdings – und das kann ich nicht genug betonen – sind wir alle gefordert, unsere Kinder und Jugendlichen vor den Gefahren von Alkohol-, Tabak- und Glücksspielsucht, aber auch übermäßiger Handynutzung zu schützen. Nur wenn Politik, Eltern, Lehrer, Freunde, kurz, das soziale Umfeld, an einem Strang ziehen, können wir in der Suchtprävention und Suchthilfe erfolgreich sein.“
Das Trinken von Alkohol ist unter Brandenburger Jugendlichen weiterhin weit verbreitet. Nach einem über Jahre hinweg kontinuierlichen Rückgang des regelmäßigen – also mindestens einmal wöchentlichen – Alkoholkonsums stiegen die Werte zuletzt wieder leicht an. Zum Zeitpunkt der ersten Befragung im Schuljahr 2004/2005 tranken fast 26 Prozent der befragten Jugendlichen mindestens wöchentlich, im Schuljahr 2016/2017 erreichte die Quote mit 11,6 Prozent ihren bisherigen Tiefpunkt. Bei der letzten Befragung 2020/2021 lag der Anteil bei 12,0 Prozent, aktuell sind es 12,8 Prozent. Jungen konsumieren Alkohol häufiger mindestens wöchentlich (16,9 Prozent) als Mädchen (8,2 Prozent). Angestiegen ist allerdings im Vergleich zur 2020/2021 der Anteil der Jugendlichen, die unregelmäßig Alkohol konsumieren: von 52,1 Prozent auf 55,2 Prozent.
Erfreulich ist, dass der Anteil von sogenannten Rauschtrinkenden (mindestens dreimal im Monat mehr als fünf alkoholische Getränke zu einer Gelegenheit) unter Jugendlichen weiterhin rückläufig ist. Er sank kontinuierlich von 30,8 Prozent im Schuljahr 2004/2005 auf 13,7 Prozent im Schuljahr 2024/2025.
Beim regelmäßigen Cannabiskonsum ist gegenüber der letzten Erhebung ein leichter Rückgang zu beobachten. So sank der Anteil von Jugendlichen, die mindestens einmal wöchentlich Cannabis konsumieren, von 3,9 Prozent im Schuljahr 2020/2021 auf 3,3 Prozent in der aktuellen Befragung. 85,7 Prozent der Jugendlichen haben noch nie Cannabis konsumiert oder es nur einmal probiert. 2020/2021 lag dieser Anteil bei 83,8 Prozent. Beim Konsum weiterer Substanzen (z.B. Ecstasy, Amphetamine, LSD) sticht vor allem Lachgas hervor: 8,6 Prozent der Jugendlichen haben es bereits mindestens einmal konsumiert.
Erstmals wurden die Jugendlichen in der aktuellen Erhebung auch zu den Gründen für den Substanzkonsum befragt und außerdem zu den Kanälen, über die sie sich die Substanzen beschafft haben. Als Hauptgründe für den Konsum wurden Feiern bzw. Partys, Entspannung bzw. Stressausgleich, das Konsumieren mit Freunden und das Ansinnen genannt, negative Gefühle zu reduzieren. Die bei weitem überwiegenden Beschaffungskanäle waren Freunde bzw. Bekannte sowie Partys und Veranstaltungen.
Im Bereich Glücksspiel verlagert sich das Geschehen zunehmend auf Online-Angebote. So haben 19,9 Prozent der Jugendlichen bereits Erfahrungen mit Glücksspielen im Internet gemacht. Gegenüber 2020/21 (8,8 Prozent) hat sich der Anteil damit mehr als verdoppelt. Online-Games mit glückspielähnlichen Inhalten haben bereits 21,6 Prozent der Jugendlichen ausprobiert, 5,9 Prozent nutzen sie mindestens wöchentlich.
Eine zunehmende Rolle im Freizeitverhalten der Brandenburger Jugendlichen spielt der Medienkonsum. Die vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) für Jugendliche ab 16 Jahren empfohlene Nutzungsdauer digitaler Medien von maximal zwei Stunden täglich wird von vielen Jugendlichen überschritten: beim Schauen von Filmen oder Serien von 34,4 Prozent, beim Spielen auf Smartphones, PC oder Konsolen von 34,7 Prozent und bei der Social-Media-Nutzung von 50,3 Prozent der Jugendlichen. Bei 5,6 Prozent der Jungen und 10,1 Prozent der Mädchen übersteigt die Social-Media-Nutzung sogar sechs Stunden täglich.
Im Zuge der zunehmenden Verbreitung sozialer Medien machen immer mehr Brandenburger Jugendliche auch Erfahrungen mit Cyber-Mobbing. So hat sich seit dem Schuljahr 2016/2017, in dem innerhalb der Studie erstmals nach diesen Erfahrungen gefragt wurde, der Anteil der Jugendlichen, die bereits Opfer von Cyber-Mobbing wurden, von 7,0 auf 13,8 Prozent nahezu verdoppelt.
Gefragt wurden die Jugendlichen auch nach ihrer Lebenszufriedenheit. Insgesamt gaben 60,3 Prozent von ihnen an, „ganz und gar zufrieden“ oder „zufrieden“ mit ihrer Lebenssituation zu sein. Dabei lag der Anteil der zufriedenen Jungen mit 68,4 Prozent deutlich höher als der zufriedenen Mädchen mit 53 Prozent.
Andrea Hardeling, Geschäftsführerin der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V.: „Die BJS 6 zeigt: Prävention ist wichtiger denn je. Der einfache Zugang zu Vapes und Alkohol sowie die ständige Verfügbarkeit von Medien und Online-Glücksspielen haben einen starken Einfluss auf das Konsumverhalten und stellen vor allem Kinder und Jugendliche vor große Herausforderungen. Hier braucht es verhältnispräventive Maßnahmen, die die Zugriffsmöglichkeiten begrenzen und verlässliche Präventionsangebote, konkret für Kinder und Jugendliche, die Orientierung geben, Resilienz stärken und eine gesunde Entwicklung ermöglichen. Die Ergebnisse der BJS 6 sind für uns eine wichtige Grundlage, um die Suchtprävention in Brandenburg weiterzuentwickeln. Zugleich liefern sie wertvolle Hinweise darauf, welche Themen die Suchthilfe künftig noch stärker beschäftigen werden. Wir müssen Prävention und Suchthilfe gemeinsam weiter stärken, um junge Menschen bestmöglich zu unterstützen.“
Hintergrund
Seit dem Schuljahr 2004/2005 wird die Schülerbefragung „Brandenburger Jugendliche und Substanzkonsum“ alle vier Jahre auf Anregung der Landessuchtkonferenz Brandenburg durchgeführt. Die Befragungen sind Teil der Gesundheitsberichterstattung (GBE) des Landes. Die aktuelle, inzwischen sechste Erhebung wurde vom Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) konzipiert und durchgeführt. Die Daten bilden eine wichtige Grundlage für Präventionsmaßnahmen im Land Brandenburg. Diese werden von den Landkreisen und kreisfreien Städten, vier überregionalen Suchtpräventionsfachstellen (ÜSPF) und der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. koordiniert und umgesetzt.
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass der Fokus von Präventionsaktivitäten weiterhin in den Themenfeldern Tabak und Alkohol liegen muss. Ziel muss es sein, Tabak- und Nikotinkonsum sowie riskantem Trinkverhalten entgegenzuwirken und eine Suchtentwicklung zu verhindern. Auch im Themenfeld der Verhaltenssüchte in Bezug auf Medien und Glücksspiel braucht es weiterhin Präventions- und Beratungsangebote für Betroffene und Angehörige. Mit den Suchtberatungsstellen der Landkreise und kreisfreien Städte sowie dem Onlineberatungsangebot https://www.suchtberatung.digital/ stehen auch im Land Brandenburg niedrigschwellige und leicht zugängliche Hilfeangebote zur Verfügung.
Darüber hinaus sind auch Formate wie die klicksafe-Schulstunde zu erwähnen, die erst kürzlich am 17. September 2026 als digitale Schulstunde mit dem Thema „Online gemobbt. Real verletzt. Gemeinsam gegen Cybermobbing!“ stattgefunden hat. Nähere Informationen zur aktuellen Schulstunde sind hier zu finden: https://www.klicksafe.de/klicksafe-schulstunde#c55523
Die ausführlichen Ergebnisse der Studie BJS 6 sind unter https://www.lsk-brandenburg.de/service abrufbar.