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Monitoringbericht 2025 der Fachstelle Antisemitismus

Antisemitische Vorfälle in Brandenburg weiter auf hohem Niveau

- Erschienen am 20.07.2026 - Presemitteilung 072/2026

Antisemitismus ist in Brandenburg nicht nur anhaltend präsent, sondern wird zunehmend offen zur Schau gestellt. Der öffentliche und der digitale Raum bleiben zentrale Tatorte. Zu diesem Ergebnis kommt die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg, die heute in Potsdam gemeinsam mit Staatssekretär Dr. Johannes Wagner den zivilgesellschaftlichen Monitoringbericht Antisemitismus vorgestellt hat. Der Bericht dokumentiert 461 antisemitische Vorfälle für 2025 in Brandenburg. Das sind zwar 23 Vorfälle (−4,8 %) weniger als 2024, dennoch bleibt das Niveau weiterhin sehr hoch. Gegenüber 2022 (204 Vorfälle) hat sich die Zahl mehr als verdoppelt. Der Bericht spricht daher von einer dauerhaften Niveauverschiebung seit dem 7. Oktober 2023.

Staatssekretär Wagner betonte: "Antisemitismus wird in Brandenburg öffentlicher und unverhohlener. Das dürfen wir niemals hinnehmen. Es braucht die gemeinsame Anstrengung aller Menschen mit Anstand und Verstand, geschlossen dagegenzustehen."

Brandenburg hat früh Verantwortung übernommen für die Prävention von Antisemitismus und die Förderung jüdischen Lebens, unter anderem mit der Einrichtung der Fachstelle Antisemitismus Brandenburg im Jahr 2019, 2022 mit der Verankerung der Förderung jüdischen Lebens und der Bekämpfung des Antisemitismus als Staatsziel in der Verfassung des Landes sowie der Berufung des Beauftragten zur Bekämpfung des Antisemitismus im Jahr 2024.

Derviş Hızarcı, Vorstandsvorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) e. V., dem Trägerverein der Fachstelle Antisemitismus Brandenburg: „Durchschnittlich ereignet sich weiterhin täglich mehr als ein antisemitischer Vorfall im Land Brandenburg. Antisemitismus äußert sich zunehmend enthemmt und unverhohlen, reicht bis hin zu öffentlich geäußerten Vernichtungsfantasien und stellt jüdisches Leben gezielt in Frage. Es ist an uns allen, dieser Entwicklung entschlossen entgegenzutreten.“

Der aktuelle Monitoringbericht dokumentiert nicht nur die Anzahl der Vorfälle, er macht auch qualitative Veränderungen sichtbar:

  • Rechtsextremismus bleibt der häufigste dokumentierte politische/weltanschauliche Hintergrund antisemitischer Vorfälle. Fast jeder zweite dokumentierte Vorfall (208 Fälle bzw. 45,1 %) wird einem rechtsextremen oder rechtspopulistischen Hintergrund zugeordnet.
  • Post-Shoah-Antisemitismus ist weiterhin die häufigste Erscheinungsform. Mit 206 Fällen (44,7 %) liegt er erneut an erster Stelle. Es folgen antisemitisches Othering (134 Fälle) und israelbezogener Antisemitismus (121 Fälle), der trotz eines leichten Rückgangs auf einem konstant hohen Niveau verbleibt.
  • Die meisten Vorfälle sind verletzendes Verhalten, gleichzeitig nehmen Angriffe (18) und Bedrohungen (58) zu.
  • Antisemitismus zeigt sich im gesamten Land Brandenburg. Besonders viele Vorfälle wurden in Oberhavel (76), Cottbus (57) und Potsdam (53) dokumentiert.
  • Der öffentliche und der digitale Raum bleiben zentrale Tatorte. Antisemitische Inhalte werden dort zunehmend offen verbreitet. Gewaltaufrufe gegen Jüdinnen und Juden sowie Vernichtungsfantasien werden unverhohlen und direkt geäußert, Nationalsozialismus und Holocaust stellen dabei häufig den Bezugsrahmen dar.
  • Es ist festzustellen, dass Antisemitismus Menschen in allen Lebensbereichen begegnet. Dies ist insofern besorgniserregend, als dass sich Betroffene antisemitischen Vorfällen kaum bis gar nicht entziehen können. Dies führt zu einer massiven Einschränkung des alltäglichen Lebens.

Den gesamten Monitoring-Bericht finden Sie unter:
https://www.kiga-brandenburg.org/publikationen/