Brandenburgs vierte Beratungsstelle für Gewaltprävention in Frankfurt (Oder) eröffnet
- Erschienen am - PresemitteilungBrandenburg baut die Präventionsarbeit zum Schutz von Frauen und Kindern vor häuslicher Gewalt weiter aus. Nach Potsdam, Oranienburg und Cottbus hat die Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg im MehrGenerationenHaus MIKADO der Stiftung SPI in Frankfurt (Oder) in Form einer Außenstelle ihren vierten Beratungsstandort für präventive Täterarbeit im Land Brandenburg eröffnet. In der Einrichtung wird ein soziales Gruppentraining für Menschen angeboten, die innerhalb ihrer (Ex-)Partnerschaft oder Familie gewalttätig geworden sind oder die sich für gewaltbereit halten, zugleich aber willens sind, ihr Verhalten aktiv zu ändern. Das Angebot der Täterarbeit wird vom Frauenministerium finanziell gefördert.
Frauenminister René Wilke: „Die neue Außenstelle schließt nicht nur eine wichtige Versorgungslücke der Täterarbeit im Osten unseres Flächenlandes. Die Täterarbeit insgesamt leistet einen unverzichtbaren präventiven Beitrag für den Frauengewaltschutz, da sie direkt an der Ursache ansetzt: dem Verhalten des – zumeist männlichen – Täters. Die Betroffenen häuslicher Gewalt sind zu 80 Prozent Frauen und meist sind die (Ex-)Partner diejenigen, die gewalttätig werden. Neben der Umsetzung des Gewalthilfegesetzes mit dem Rechtsanspruch ab 2032 auf Schutz- und Beratungsangebote für von Gewalt betroffene Frauen, muss die Gewaltprävention verstärkt werden. Hier müssen wir im Land Brandenburg noch mehr tun.“
Johanna Czorny, Koordinatorin der Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg: „Nur wenn diejenigen, die Gewalt ausüben, ihr Verhalten ändern, kann häusliche Gewalt nachhaltig reduziert werden. Wir ermutigen alle Personen in der Region Frankfurt (Oder), die das Gefühl haben, in ihrer Partnerschaft regelmäßig Grenzen zu überschreiten oder die Kontrolle zu verlieren, sich bei uns für ein unverbindliches Erstgespräch zu melden. Gleichzeitig freuen wir uns auf eine enge Vernetzung mit dem vor Ort vertretenen Hilfesystem.“
Das Beratungsprogramm zur Verhinderung häuslicher Gewalt richtet sich an volljährige, in Brandenburg gemeldete Personen, die die Bereitschaft zeigen, aktiv an ihrem Gewaltverhalten zu arbeiten. Teilnehmen können sie entweder in Eigeninitiative, aufgrund von Auflagen durch die Justiz oder auf Empfehlung durch ein Jugendamt oder andere Hilfeeinrichtungen. Nach einer Aufnahmephase im Einzelsetting mündet das Programm in ein soziales Gruppentraining mit 25 Sitzungen á zwei Stunden.
Während des insgesamt circa ein Jahr andauernden Beratungsprozesses werden unter anderem Themen wie das Gewaltverständnis, Bedürfnisse, Kommunikation, Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie Gefühle und Selbstregulation behandelt. Außerdem setzen sich die Teilnehmenden kritisch mit bestehenden Geschlechter- und Elternrollen auseinander und hinterfragen die Auswirkungen von Gewalt auf (mit-)betroffene Kinder. Darüber hinaus werden gewaltfreie Exit-Strategien und Handlungsalternativen für künftige Konflikt-Szenarien eingeübt.
Die Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg arbeitet nach dem Standard der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt (BAG TäHG) e.V. Die Fachkräfte weisen Hochschulabschlüsse in Sozialpädagogik, Soziale Arbeit oder Psychologie auf und sind weitergebildet im Bereich der Gewaltprävention und Täter*innenarbeit. Träger der Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg ist das Berliner Zentrum für Gewaltprävention (BZfG) gGmbH.
Das MASGZ fördert die Arbeit der Fachstelle Gewaltprävention in diesem Jahr mit 605.000 Euro. Für 2027 sind 705.000 Euro eingeplant.
Der Bedarf für die Präventionsarbeit ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. So berieten die mittlerweile fünf Berater*innen der Fachstelle an ihren bislang drei Standorten im Jahr 2023 insgesamt 70 Personen, 2024 waren es bereits 114. Im vergangenen Jahr wurden 158 Personen beraten. Der mit 86,7 Prozent weit überwiegende Teil war männlich, 12,7 Prozent weiblich, 0,6 Prozent divers. 21,9 Prozent suchten sich auf Wunsch der (Ex-) Partner*in Unterstützung, 16,4 Prozent eigeninitiativ, 27,9 Prozent wurden über das Jugendamt beauflagt, 6,9 Prozent erhielten eine justizielle Weisung zum Programm. Die Altersspanne der Teilnehmenden bewegte sich zwischen 19 und 82 Jahren, bei einem Altersdurchschnitt von 37,2 Jahren. Im Jahr 2025 waren insgesamt 238 Kinder im sozialen Nahfeld mitbetroffen.
Hintergrund
In der Polizeilichen Kriminalstatistik wurden im Jahr 2025 insgesamt 4.712 weibliche Opfer häuslicher Gewalt im Land Brandenburg erfasst, 15 davon bei Mord- und Totschlagsdelikten. Fünf der Opfer starben an ihren Verletzungen. In diesem Jahr kam es allein im August im Land Brandenburg zu drei mutmaßlichen „Femiziden“, bei denen drei junge Frauen getötet wurden.
Weitere Informationen sowie Kontaktdaten unter: https://fachstelle-gewaltpraevention-brandenburg.de/