Gleichstellungsdatenreport veröffentlicht
Geschlechterrollen bewirken weiterhin Ungleichheiten in allen Lebensbereichen
- Erschienen am - PresemitteilungDer Gleichstellungsdatenreport Brandenburg, erstellt von der Sozialwissenschaftlerin Dr. Irene Savin Pimminger, bietet einen aktuellen Überblick über den Stand der Gleichstellung in Brandenburg und zeigt Handlungsbedarfe auf. Das Ergebnis: Trotz zahlreicher gleichstellungspolitischer Erfolge der letzten Jahrzehnte bestehen geschlechtsspezifische Ungleichheiten in allen Bereichen weiterhin fort.
Viele der Ergebnisse zeigen sich so oder ähnlich auch in Gesamtdeutschland. Der Report macht jedoch auch die Unterschiede sichtbar.
Er zeigt auf, dass sich die Rahmenbedingungen von Gleichstellungspolitik in Brandenburg von denen in Gesamtdeutschland unterscheiden: Unter jungen Erwachsenen gibt es einen Überhang der männlichen Bevölkerung, der in Brandenburg stärker ausgeprägt ist als im Bundesschnitt und innerhalb Brandenburgs regional stark variiert. Unter der älteren Bevölkerung ist hingegen ein Frauenüberhang festzustellen. Brandenburg birgt als Flächenland außerdem besondere Herausforderungen mit insgesamt großen Distanzen, langen Pendelwegen und dem Bedarf an flächendeckender Infrastruktur.
Der Gleichstellungsdatenreport bestätigt zudem, dass Brandenburg in einigen Bereichen anderen Bundesländern voraus ist: Die Ganztagsbetreuungsquote ist hier etwa deutlich höher als im Bundesdurchschnitt und Frauen arbeiten häufiger in vollzeitnaher Teilzeit, also mehr Wochenstunden.
Doch Frauen sind auch in Brandenburg weiterhin häufiger in Teilzeit tätig als Männer. Und die brandenburgischen Männer übernehmen nicht mehr Sorgearbeit als im Bundesdurchschnitt: Sie nehmen Im Schnitt nur 3,2 Monate Elternzeit, Frauen hingegen knapp 13 Monate. Daraus lässt sich eine Mehrbelastung von Frauen ableiten.
Der Datenreport bietet außerdem einen differenzierten Überblick über die finanzielle Ungleichheit zwischen Frauen und Männern in Brandenburg, der über den hier bekanntlich vergleichsweise niedrigen Gender Pay Gap hinausgeht. Es zeigen sich hohe Einkommensunterschiede mit Blick auf die Bruttojahreseinkünfte. Bei rund der Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen und bei knapp zwei Fünftel der Männer ist das Monatsentgelt in Brandenburg nicht ausreichend für eine eigenständige und langfristige Existenzsicherung. Das höchste Armutsrisiko tragen Alleinerziehende.
Der Gleichstellungsdatenreport zeigt insgesamt in sieben Kapiteln zu den Themenfeldern Demografie, Bildung und Wissenschaft, Erwerbstätigkeit und soziale Lage, Sorgearbeit, politische Teilhabe, Gesundheit sowie geschlechtsbezogene Gewalt, dass Ungleichheiten aufgrund des Geschlechts in allen Lebensbereichen fortbestehen.
Die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg Dr. Uta Kletzing: „In allen Themenfeldern zeigen sich stereotype Lebensrealitäten für Frauen und für Männer. Ein zentraler gleichstellungspolitischer Handlungsbedarf liegt daher im Abbau von Geschlechterrollen, die die Wahlfreiheit von Mädchen und Frauen sowie Jungen und Männern in verschiedenen Bereichen wie Berufswahl, Verteilung von Sorgearbeit, Gesundheit und Gewaltfreiheit einschränken Die aktuellen Daten und Fakten zeigen, wie sehr Geschlechterverhältnisse das Alltägliche von Menschen prägen und damit auch ein Hebel sind, individuelle Lebensrealitäten zu verbessern. Mit den nun verfügbaren aktuellen Daten und Fakten kann die Umsetzung von Gleichstellung in allen Politikfeldern noch zielgerichteter erfolgen. Insbesondere die Abwanderung junger Brandenburgerinnen muss aufgehalten werden, indem unser Bundeland für Frauen in allen Lebensphasen attraktiver und lebenswerter ist, z.B. durch gute Möglichkeiten für Ausbildung und Studium, gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie durch eine echte Öffnung für ihre politische Mitgestaltung und gesellschaftliche Teilhabe.“
Der Datenbericht zeigt erneut: Gleichstellungspolitik ist als Querschnittspolitik notwendig. Genau das hat sich die Landesregierung in den Koalitionsvertrag geschrieben und aus diesem Grund wird das Gleichstellungspolitische Rahmenprogramm als ressortübergreifendes Programm fortgeschrieben.
Der Gleichstellungsdatenreport für Brandenburg kann über das MASGZ als gedruckte Publikation bestellt oder direkt als Online-Version heruntergeladen werden. Online ist neben dem Bericht mit ausgewählten Ergebnissen außerdem der Tabellenband zu finden, der sämtliche ausgewertete Daten enthält. Bestellmöglichkeit und Download: