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Minister Wilke eröffnet Kinderschutzambulanz in Frankfurt (Oder)

- Erschienen am 14.07.2026 - Presemitteilung 070/2026

Die Landesregierung drückt bei der flächendeckenden Stärkung des Kinderschutzes im Land Brandenburg aufs Tempo. Am heutigen Dienstag hat Gesundheitsminister René Wilke im Klinikum Frankfurt (Oder) die nach Potsdam, Eberswalde (Barnim) und Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) landesweit bereits vierte Kinderschutzambulanz (KIA) eröffnet. KIA sind spezialisierte Einrichtungen, in denen Medizinerinnen und Mediziner in enger Kooperation mit Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe Verdachtsfällen von Vernachlässigung, Kindesmissbrauch oder Kindesmisshandlung nachgehen. 

Gesundheitsminister René Wilke: „Brandenburg ist das letzte Bundesland, das Kinderschutzambulanzen einrichtet, und schon aus diesem Grund freut es mich sehr, dass wir binnen weniger Wochen bereits vier dieser Einrichtungen an den Start gebracht haben. Für wirksamen Kinderschutz zu sorgen, ist für mich eine politische Selbstverständlichkeit. Wo immer der Verdacht besteht, dass das Wohl von Kindern gefährdet ist, dass ihnen Gewalt angetan wird oder dass sie vernachlässigt werden, ist schnellstmögliche Klärung gefragt. Dafür braucht es medizinische Expertise ebenso wie jene von den Jugendämtern, die in den Kinderschutzambulanzen fachlich eng zusammenarbeiten. Damit diese landesweit zukunftsfest aufgestellt werden können, bedarf es noch einer verlässlichen Finanzierung. Daran arbeiten wir.“

Christian Petersen, Geschäftsführer Rhön Klinikum Frankfurt (Oder): „Das Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) ist als Maximalversorger für sein Versorgungsgebiet auch im Bereich der Kinderversorgung mit seiner hohen Fachexpertise in der Kinder- und Jugendmedizin wie auch Kinder- und Jugendpsychiatrie fest verankert. Es ist unser Selbstverständnis, dass wir als erste Anlaufstelle zum Schutze des Kindeswohls in Kooperation mit den weiteren Beteiligten bestmöglich dienen.“

Dr. Andrea Hüfner (Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und PD Dr. Malte Cremer, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Klinikum Frankfurt (Oder): „Mit der Kinderschutzambulanz schaffen wir einen geschützten Ort für Kinder und Jugendliche, bei denen der Verdacht auf Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuellen Missbrauch besteht. Unser Ziel ist es, betroffene Kinder frühzeitig medizinisch zu versorgen, Spuren fachgerecht zu sichern und gemeinsam mit unseren Partnern, den Jugendämtern, schnell und verantwortungsvoll zu handeln. Die Eröffnung der Kinderschutzambulanz ist ein wichtiger Meilenstein für die Gesundheitsversorgung und den Kinderschutz in Frankfurt (Oder) und der Regionen Oder/Spree und Märkisch-Oderland. Jedes Kind hat das Recht auf Schutz, Sicherheit und eine unbeschwerte Entwicklung – dafür übernehmen wir als Kinderklinik Verantwortung.“

Dr. Axel Strasser, Oberbürgermeister Frankfurt (Oder):„Kinderschutz ist eine Aufgabe, die uns alle angeht. Fälle von Misshandlung, Vernachlässigung oder sexuellem Missbrauch können überall vorkommen, auch in unserer Region. Umso wichtiger ist es, Kindern und Jugendlichen im Verdachtsfall schnell, verlässlich und fachkundig Schutz und Hilfe anzubieten. Mit der Kinderschutzambulanz entsteht dafür ein wichtiger Schutzraum und zugleich eine fachliche Grundlage, damit mögliche Täter konsequent zur Verantwortung gezogen werden können. Mein Dank gilt dem Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) und dem Gesundheitsministerium des Landes Brandenburg für die wichtige Stärkung des Kinderschutzes in Frankfurt (Oder) und den umliegenden Landkreisen. Dies zeigt einmal mehr, welche zentrale Rolle das Rhön Klinikum Frankfurt (Oder) für unsere Stadt und die Region einnimmt. Gleichzeitig gilt meine Hochachtung und mein Respekt dem interdisziplinären Team, das mit hoher Fachkompetenz und großem Einfühlungsvermögen an dieser Kinderschutzambulanz arbeiten wird.“

Zentrale Aufgabe von Kinderschutzambulanzen ist die ambulante medizinische Untersuchung von Kindern und Jugendlichen bei Verdacht auf körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt sowie bei Anzeichen von Vernachlässigung. Gleichzeitig dokumentieren die Fachkräfte mögliche Verletzungen fachgerecht und schaffen damit eine wichtige Grundlage für die Arbeit von Jugendämtern, Polizei und Gerichten. Darüber hinaus beraten die Ambulanzen Jugendämter, Schulen, Kitas, Polizei und andere Einrichtungen bei Verdachtsfällen.

Im Jahr 2024 führten die Jugendämter in Brandenburg 8.501 Verfahren zur Abklärung einer möglichen Gefährdung des Kindeswohls durch – ein Anstieg von rund elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 3.270 Fällen wurde dabei eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung festgestellt. 2.192 und damit mehr als die Hälfte dieser Fälle betraf die Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen. In 741 Fällen wurden Anzeichen für eine körperliche, in 1.165 Fällen für eine psychische Misshandlung festgestellt. Von sexueller Gewalt waren 200 Kinder und Jugendliche betroffen.

In Frankfurt (Oder) hat sich die Zahl der Verfahren für eine medizinische Begutachtung bei Fällen möglicher Kindeswohlgefährdung in den letzten Jahren nahezu verdoppelt von 220 im Jahr 2022 auf 399 im vergangenen Jahr. In 128 der Fälle des vergangenen Jahres wurde dabei eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung festgestellt.

Auch im Landkreis Oder-Spree, mit dessen Jugendamt die Kinderschutzambulanz in Frankfurt (Oder) ebenfalls kooperiert, ist die Zahl der gemeldeten Fälle von möglichen Kindeswohlgefährdungen in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – von 1.022 im Jahr 2021 auf 1.321 im vergangenen Jahr.

Die KIA in Frankfurt (Oder) deckt Teile des Krankenhausversorgungsgebiets Oder-Spree im Osten des Landes Brandenburg ab. Auch die Krankenhausstandorte Neuruppin und Cottbus wollen noch in diesem Jahr eine KIA eröffnen.

Die Einrichtung von Kinderschutzambulanzen im Land Brandenburg wurde durch eine gemeinsame Anschubfinanzierung des Gesundheits- und des Jugendministeriums aus Lottomitteln in Höhe von insgesamt 170.000 Euro gefördert.